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So erfolgreich verlief der letzte Check vor dem großen Impfstart

Generalprobe in der Impfstelle Leverkusen

05.02.2021
Bereits am SafeGate erhalten die Impflinge Unterstützung
Bereits am SafeGate erhalten die Impflinge Unterstützung
Betriebsleiter Martin Niemczyk demonstriert wie der QR gescannt wird
Betriebsleiter Martin Niemczyk demonstriert wie der QR gescannt wird
Jeder Impfling hat die Möglichkeit sich liegend oder sitzend impfen zu lassen
Jeder Impfling hat die Möglichkeit sich liegend oder sitzend impfen zu lassen
Impfling Michaela Behrens im Wartebereich vor der Impfung
Impfling Michaela Behrens im Wartebereich vor der Impfung
Der Wartebereich der Impfstelle können die Besucher mit ausreichendem Abstand warten
Im Wartebereich der Impfstelle können die Besucher mit ausreichendem Abstand warten
Am Empfang werden die Besucher freundlich begrüßt
Am Empfang werden die Besucher freundlich begrüßt
Die Betreuung am SafeGate ermöglicht auch älteren oder eingeschränkten Menschen einen reibungslosen Ablauf in der Impfstelle
Die Betreuung am SafeGate ermöglicht auch älteren oder eingeschränkten Menschen einen reibungslosen Ablauf in der Impfstelle
Die Bildschirme im Wartebereich blenden den Impflingen ihre Nummer und die entsprechende Impfstraße ein, sobald sie an der Reihe sind
Die Bildschirme im Wartebereich blenden den Impflingen ihre Nummer und die entsprechende Impfstraße ein, sobald sie an der Reihe sind
Zugangsbereich der Impfstelle
Zugangsbereich der Impfstelle
Fotos: Malteser Leverkusen
Fotos: Malteser Leverkusen

Wiesdorf. Vor dem Erholungshaus in Leverkusen, an der Nobelstraße 37, herrscht um kurz vor elf bereits jede Menge Betrieb. Auf dem Parkplatz, am Hintereingang der beliebten Kulturstätte, ist der Anblick von FFP2-Masken-tragenden Menschen, die ausnahmslos gebotenen körperlichen Abstand zueinander halten, längst zur Normalität gereift. Neben Maltesern haben sich am heutigen Freitag hier auch zahlreiche Mitstreiter jener Organisationen und Firmen eingefunden, die am großen Impfunterfangen beteiligt sind. Grund: Ein letzter Check soll vor dem offiziellen landesweiten Impfstart am Montag, dem 8. Februar, durchexerziert werden. Initiiert wurde dies durch alle Beteiligten. Dank des Bayer-Konzerns, dessen Vorstandschef Werner Baumann das ansonsten für kulturelle Zwecke genutzte Erholungshaus zunächst für ein Jahr an die Stadt übergeben hatte, steht für die Impfstelle ein Gebäude zur Verfügung, das zentral liegt und mit guter Anbindung ideal erreichbar ist.

Schon seit 15. Dezember in Bereitschaftsstellung

Wer das Anwesen betreten darf, ist genau festgelegt und bestens durchorganisiert. Alle Mitarbeiter tragen personalisierte Ausweise. Ein Sicherheitsdienst achtet auf ordnungsgemäßes Verhalten. Am Hintereingang wird die Desinfektion der Hände für Mitarbeitende vor dem Eintragen in eine Anwesenheitsliste mit exakter Eintritts-Uhrzeit und Adressangabe für potenzielle Nachverfolgbarkeit durch freundliche Kollegen höflich erläutert und genau überwacht. Seit November des vergangenen Jahres zeichnen die Malteser für den organisatorischen Ablauf rund um die Leverkusener Impfstelle verantwortlich. Schon seit dem 15. Dezember 2020 war gemäß den Vorgaben des Landes an für sich schon alles für den Impfstart bereit gewesen. Einziges Problem bekanntermaßen: Der damals noch fehlende Impfstoff. Nun ist es jedoch bald soweit. Der stellvertretende Leiter Notfallvorsorge, Martin Niemczyk (38), hat seit Dezember auch die Funktion des Leiters Sonderdienste für die Bereiche “Corona“ und “Impfzentrum“ inne.

Koordinierungszentrale

In einem normalerweise als großzügigem Aufenthaltsraum genutzten Bereich des Erholungshauses haben sich die Malteser ihre Einsatzzentrale eingerichtet. Betriebsleiter Niemczyk erklärt, was hier passiert: „Alles, was nichts mit der Impfstraße selbst zu tun hat, wird von hier aus koordiniert. Seien es Besprechungen mit der Feuerwehr, mit der Stadt oder der KV.“ (Anm. d. Red.: Kassenärztliche Vereinigung.) Auch für das Sicherheitskonzept innerhalb des gesamten Gebäudes seien sie zuständig gewesen. Die Organisation der Errichtung von Impfzentren stellt eine umfangreiche, anspruchsvolle und gut zu durchdenkende Aufgabe dar, die optimal funktionieren kann, wenn mehrere Experten gut Hand in Hand zusammenarbeiten. Neben Wilfried Düperthal von der Feuerwehr Leverkusen (zuständig für Krisenmanagement, Notfallplanung und Veranstaltungssicherheit) befindet sich gerade auch noch ein Mitarbeiter der Leverkusener Firma Firaco, welche ein internes Telefonnetz im Hause zur besseren Kommunikation der Mitarbeiter untereinander eingerichtet hatte, in der Einsatzzentrale. Schnell fällt auf: Der direkte Draht zueinander sorgt im Zuge der Abstimmung rund um offene Fragen stets für Effizienz.

Verschiedene Verantwortungsbereiche

Im Rahmen des Impfzentrums zeichnen die Malteser grundsätzlich für unterschiedliche Bereiche verantwortlich. So zählen neben der Betriebsleitung und dem Gesamtablauf auch noch die Anmeldung der zu Impfenden sowie der Sanitätsdienst vor Ort zu ihren ständigen Aufgaben. „Sollte irgendetwas passieren, haben wir ausgebildetes Rettungsdienstpersonal hier mit entsprechendem Equipment, das zur Stelle ist und dann helfen kann“, konstatiert Martin Niemczyk.

Live-Probelauf mit 24 Impflingen

Heute wird sich herausstellen, wie reibungslos alles funktioniert. Ein sogenannter Live-Probelauf soll sicherstellen, dass alle am Leverkusener Impfunterfangen Beteiligten bestens gewappnet sind und gegebenenfalls kleine Stellschrauben nachjustiert werden können. Bevorsteht nach insgesamt vier Testläufen – zwei größeren mit Probanden und zwei kleineren mit eigenem Personal – nun erstmalig ein Probedurchgang mit tatsächlich zu impfenden Menschen und echtem Biontech-Pfizer-Impfstoff.

Vorgesehen sind hierfür 24 Pflegekräfte aus dem Palliativbereich mit höchster Priorität. Diese liefen über Sonderkontingente, heißt es. Den Ablauf erläutert Martin Niemczyk dann so: „Wenn der Impfling ankommt, wird er von uns begrüßt, dann wird überprüft, ob er überhaupt einen Termin hat und ob alle Unterlagen dabei sind.“ Auf die Frage, welche Dokumente mitzuführen sind, antwortet der Betriebsleiter: „Die Terminbestätigung, der Aufklärungsbogen und der Anamnesebogen. Wir haben hier ein Anmeldungssystem für die Impflinge zusammen mit einer Eventfirma auf die Beine gestellt, damit wir den Überblick haben, wie viele Personen im Gebäude sind. Das läuft komplett digital und anonymisiert. Das heißt, wir erheben keine Personen-bezogenen Daten. Die Menschen bekommen eine Nummer zugeordnet. Anhand dieser Nummer können wir sagen, in welchem Bereich befindet sich der Mensch gerade.“

Mittels QR-Code erfassbar

Hierfür würde ein mit einem QR-Code versehenes Einlassbändchen mit einer Nummer an der Anmeldung eingescannt, welches der zu Impfende sodann erhalte. Ähnlich wie auf einem Flughafen sei als nächstes das sogenannte Safe-Gate, eine Durchgangskabine mit Drehkreuz, zu passieren. Hierfür notwendig: Das Bändchen hält der Impfling eigenständig zum Scannen an die entsprechende Stelle. Sogleich wird die Temperatur gemessen. Zeitgleich werde geprüft, ob die Person ihre Maske ordnungsgemäß trage. Danach desinfiziert sich der Impfling noch die Hände und sobald diese Schritte erfolgreich durchgeführt sind, kann derjenige das Drehkreuz passieren.

In entsprechenden Bahnen, die mit Eurowings-Absperrbändern gut überschaubar abgegrenzt sind, führt der leicht verständlich ausgeschilderte Weg sodann in einen großzügigen Wartebereich samt KV-Servicepoint, an welchem noch Fragen durch Mitarbeiter der kassenärztlichen Vereinigung geklärt werden können.

Auf weit auseinanderstehenden Sitzgelegenheiten können die Impflinge dann Platz nehmen und bis zum Erscheinen der eigenen Nummer auf großen Bildschirmen noch Informationen rund um die Impfung ansehen. Erscheint die eigene Nummer samt konkretem Impfraum auf dem Bildschirm, ist es soweit.

Vier Impfstraßen

In der Impfstelle stehen insgesamt vier Impfstraßen zur Verfügung. Wenn am 8. Februar der offizielle Start erfolgt, soll nämlich in der Zeit zwischen 14.00 und 20.00 Uhr ein Pensum von 120 bis 140 Impfungen pro Tag absolviert werden. Sportliches vorgesehenes Zeitfenster pro reiner Impfung: Jeweils sechs Minuten.

Jede Impfstraße besteht aus drei Räumen. Im ersten erfolgt zunächst eine Registrierung. Die Unterlagen werden noch einmal durch die Mitarbeiter der kassenärztlichen Vereinigung kontrolliert und diese kümmern sich auch um eine Impfbestätigung. Dann wird im zweiten Raum durch ärztliches Personal die Impfung in den Oberarm vorgenommen. Dort erhält der Impfling im Anschluss seine Impfbescheinigung ausgehändigt. Im dritten Raum gibt es dann, insbesondere für hochaltrige oder in ihrer Bewegung eingeschränkte Personen, noch Gelegenheit sich in aller Ruhe wieder den Mantel anzuziehen.

30 Minuten Beobachtungszeit

Zum Schluss folgt der Beobachtungsbereich, in dem die Geimpften dann noch eine halbe Stunde Platz nehmen, damit unter Beobachtung sichergestellt werden kann, dass keine plötzlichen Nebenwirkungen auftreten oder in einem solchen Fall schnell fachmännisch Hilfe geleistet werden kann. Sobald die Wartezeit abgelaufen ist, wird dies auf den Bildschirmen im Beobachtungsbereich eingeblendet. Hiernach braucht sich die geimpfte Person dann nur noch mit ihrem Bändchen im Ausgangsbereich über einen Scan auszuchecken und die erste Impfung ist abgeschlossen.

Erste Impflinge begeistert

Als gegen 11.00 Uhr endlich die ersten zu impfenden Menschen aus dem Palliativ-Bereich im Impfzentrum ankommen, ist die Stimmung unter den bisher eingetroffenen Damen ausgesprochen gut. Man unterhält sich angeregt und zeigt sich über die gute Organisation in der Impfstelle begeistert. Darüber hinaus lässt man keinen Zweifel daran, dass man geradezu froh über die Impfeinladung ist. Unter den Impflingen befindet sich auch die 49-jährige Michaela Behrens. In ihrer Familie hat sie zwei chronisch Erkrankte, erzählt sie. Der Impfung blickt sie zuversichtlich entgegen, denn aus Erfahrung im Bekanntenkreis weiß sie, wie schlimm Corona zuschlagen kann. Ein Bekannter, noch unter 45 Jahren, habe sich vor einiger Zeit infiziert und leide nach der eigentlichen Genesung noch immer stark an Folgeerscheinungen, was starke Auswirkungen auf das gesamte Leben, insbesondere die familiäre und materielle Situation habe, erzählt sie. Als Michaela Behrens mit ihrer Impfung an die Reihe kommt, verläuft alles ganz unkompliziert. „Es war wunderbar, ging schnell und war gar nicht schlimm“, strahlt die 49-Jährige, nachdem sie durch ist. Sie habe lediglich beim Pieks gefragt, was sei, wenn später Symptome aufträten. Mit der Antwort, im Fall der Fälle einen Bereitschaftsarzt oder, soweit schlimmer, eine Klinik aufzusuchen, kann die Hospiz-Mitarbeiterin gut leben und freut sich umso mehr darüber, dass nach der vorgesehenen Beobachtungszeit bei ihr alles gut zu sein scheint. Sich impfen zu lassen, kann Behrens daher nur empfehlen.

Ärztlicher Leiter zufrieden

Auch Dr. Wolfgang Hübner, einer der insgesamt drei ärztlichen Leiter vor Ort zeigt sich zufrieden mit dem gelungenen Live-Probelauf vor dem offiziellen Impfstart. „Wir haben es ja gemacht, um zu sehen, wo sind möglicherweise noch Dinge zu verbessern, wo muss man dran arbeiten, wo sind Stellschrauben, die man eben drehen kann“, sagt der promovierte Mediziner. Man sei auch gerade deshalb zufrieden, da man noch einige Kleinigkeiten entdeckt habe, die man verbessern wolle. So beträfe dies beispielsweise administrative Dinge wie Fragen der Art, wo gewisse Aufkleber angebracht, wo bestimmte Unterschriften platziert oder wohin manche Bögen verbracht werden sollten. „Das sind Dinge, die wir heute live gesehen haben und von daher ist bis hin zu den Fragen, die die Impfwilligen gestellt haben und die wir gut beantworten konnten, alles gut“, freut sich der erfahrene Arzt.

Offizieller Impfstart kann kommen

Nachdem der erste Schub der heute zu impfenden Personen seine Dosis reibungslos erhalten konnte und auch keinerlei Komplikationen aufgetreten sind, zeigt sich auch Malteser-Betriebsleiter Martin Niemczyk froh. „Der heutige erste Ablauf mit Impfstoff diente dazu, auch einmal zu schauen, wie funktionieren die Abläufe mit der Apotheke. Klappt alles so, wie sich die Apothekenkammer, die für die Rekonstitution des Impfstoffs zuständig ist, das vorstellt und die Klärung der Frage wie funktioniert der Weg.“ Zielsetzung erfüllt.

Nachdem jetzt nur noch Klein-Justierungen erfolgen müssen, können die Malteser und alle kooperierenden Partner nun einem reibungslosen Impfstart ab Montag, dem 8. Februar, entgegensehen. In der optimal organisierten und hochtechnisierten Leverkusener Impfstelle dürften sich die Impfwilligen jedenfalls nicht nur gut zurechtfinden, sondern bei der liebenswürdigen Begleitung durch alle Helfer unter den gegebenen Umständen auch sichtlich wohlfühlen.